Wasserkühlungs FAQ

Von EisDave, 09.04.2009 17:30

Einfach erklären wir, welche Komponenten es gibt, zeigen eine Beispielkonfiguration und sagen euch sogar wie man den Krempel zusammenbaut! Und das in Videos!



Der Trend geht immer mehr in Richtung Wasser als Kühlmittel. Doch für den normalen User stellt sich hier die Frage wie so etwas funktioniert. Wie viel kostet der Spaß?
Unsere Wasserkühlungs FAQ soll einen Einstieg in dieses Thema bieten und die meisten Fragen beantworten.

1) Wozu eine Wasserkühlung?

Prozessor, Grafikkarte und Motherboard geben viel Wärme ab. Diese wird meist an das Medium Luft abgegeben. Damit die Wärme schnell abgeführt werden kann, müssen entweder großflächige, schwere Kühlkörper oder schnell drehende Lüfter verwendet werden.
Von Ruhe kann man in diesen Fällen kaum sprechen.
Eine Wasserkühlung kann hier Abhilfe schaffen! Wasser bietet sich, aufgrund seiner guten Wärmekapazität, sehr gut als Kühlmedium an.
So lässt sich deutlich mehr Abwärme bei einem vergleichsweise leiseren Geräuschpegel abführen. Zusätzlich kann eine Wasserkühlung bessere Übertaktungsergebnisse und eine optische Aufwertung des Computers darbieten.

2) Was benötige ich für eine Wasserkühlung?

Eine Wasserkühlung besteht aus vielen verschiedenen Komponenten, die wir im Folgenden einmal auflisten:

2.1) Die Pumpe


(C) Aquatuning

(C) Aquatuning

(C) Aquatuning

Das wahrscheinlich wichtigste Bauteil in einer Wasserkühlung ist die Pumpe.
Sie befördert das Wasser durch den Kreislauf.

Wichtige Namen und Abkürzungen:

Laing DDC
12V Pumpe des Herstellers Laing. Sie ist in vielen verschiedenen Varianten erhältlich.
Der Deckel der Pumpe ist austauschbar , deshalb produzieren einige Hersteller eigene, optimierte Deckel für die Pumpe.

Aquacomputer Aquastream XT (auch ASXT)

12V “Luxus” Pumpe in 3 Versionen: Standard, Advanced und Ultra
Die Besonderheit ist eine USB Schnittstelle – so kann die Pumpe über den Computer via Software geregelt werden.

Eheim
Deutscher Hersteller, Eheim war anfangs für Aquarium Pumpen sehr bekannt. Inzwischen wurden mehrere Pumpen umgelabelt, sodass sie auch bei Kreisläufen einer Computer Wasserkühlung verwendet werden können.
Das bekannteste Modell ist die Eheim 1046.

Innovatek HPPS
12V Pumpe in 2 Versionen: HPPS Plus und HPPS i – High Power.

2.2) Der Radiator (=Wärmetauscher)


(C) Aquatuning

(C) Aquatuning

(C) Aquatuning

Der Radiator (auch Wärmetauscher genannt, ugs. auch “Radi”) kühlt das Wasser durch geschickte Anordnung von Lamellen und gibt die produzierte Wärme nach außen hin ab.
Auf ihm sitzen meist Lüfter, die die Aufgabe haben, die warme Luft vom Radiator in die Umgebung weiterzuleiten.
Unterschieden wird dabei zwischen:

-Passiver Radiator: Radiator ohne Lüfter
-Aktiver Raditator: Radiator mit Lüftern

Radiatoren gibt es in allen Formen und Größen.
Meist wird ein Lüfter von 120mm Größe benutzt. Somit ergeben sich folgende Bezeichnungen:

-120er Radiator (auch Single Radiator)
Radiator, der Platz für einen 120mm Lüfter bietet.

-240er Radiator (auch Dual Radiator)
Radiator, der Platz für zwei 120mm Lüfter bietet.

-360er Radiator (auch Triple Radiator)
Radiator, der Platz für drei 120mm Lüfter bietet.

-480er Radiator (auch Quad Radiator)
Radiator der Platz für 4 120mm Lüfter bietet.
Enweder 2×2 breit oder 1×4 lang.

Außerdem gibt es noch Radiatoren für kleinere / größere Lüfter sowie Monster Radiatoren, die Platz für meist 9 Lüfter bieten.

Wichtige Namen und Abkürzungen:

Aquacomputer Airplex XT
Gute & Günstige Radiatoren

Black ICE GT
Viele Lamellen, gute Kühlleistung

TFC Xchanger
Teuer, gute Kühlleistung

2.3) Die Kühlkörper


(C) Aquainfos

(C) Alphacool

(C) Aquatuning

Die jeweiligen Kühler für die Komponenten wie Prozessor, Grafikkarte, Northbridge, Southbridge usw.
Man unterscheidet zwischen:

-Düsenkühlern
Bei diesen Kühlern gibt es eine klare Vorgabe für “In” und “Out”. (Wo das Wasser rein kommt und wo es raus geht). Das Wasser fließt wie bei einer Düse durch mehrere Löcher und schließlich durch eine Struktur (meistens viele kleine Pins).


(C) Aquainfos
Düsenplatte + Pinnfeld eines CPU Kühlers
(Phobya)

-Kanalkühlern
Hier fließt das Wasser durch einen Kanal. Das ist meist bei Grafikkarten- und Spannungswandlerkühlern der Fall.

Wichtige Namen und Abkürzungen:

EK Water Blocks
Hersteller von sehr vielen Kühlern für ziemlich alle Komponenten

Alphacool
Häufig bekannt durch die günstigen NexXxos CPU Kühler

Aquacomputer
Hersteller der Cuplex XT CPU Kühlerserie

2.4) Der Ausgleichsbehälter (auch AB oder AGB)


(C) Aquatuning

Der Ausgleichsbehälter dient dem einfachen Befüllen und Entlüften des Kreislaufs.
Es gibt verschieden große Modelle mit unterschiedlicher Anzahl an Gewindebohrungen.
Die meisten AGBs haben 3 Gewindebohrungen. In, Out und einen weiteren, um z.B. einen Temperatursensor oder eine Beleuchtungs LED einzuschrauben.
Ansonsten gibt es keine relevanten Unterschiede.

2.5) Schläuche und Anschlüsse


(C) Aquatuning

(C) Aquatuning

(C) Aquatuning

Damit das Wasser von A nach B fließt, werden natürlich Schläuche benötigt (in den seltensten Fällen wird auch nur Kupferrohr verwendet)!
Unterschieden wird hierbei immer zwischen verschiedenen Schlauchgrößen.
Es gilt: Außendurchmesser / Innendurchmesser [mm]. Habe ich 10/8 Schlauch, heißt das, das mein Schlauch einen Außendurchmesser von 10mm und einen Innendurchmesser von 8mm hat.

Meistverwendete Schlauchgrößen:
10/8, 11/8, 13/10, 16/10, 16/13, 19/13

Bei Tüllen ist nur der Innendurchmesser des Schlauches zu beachten. 10mm Tüllen sind beispielsweise für Schläuche der Größen 13/10 und 16/10 geeignet.

Die Anschlüsse müssen immer passend zur Schlauchgröße gekauft werden.
Habe ich 10/8 Schlauch, muss ich auch 10/8 Anschlüsse kaufen, z.B. solche.

2.6) Lüfter


(C) Aquainfos
120mm Yate Loon Lüfter

Ja, bei einer Wasserkühlung gibt es meistens auch Lüfter. Wie schon erwähnt, finden diese auf dem Radiator platz.
Anmerkung: Lüfter werden nicht zwingend benötigt. Bei low-end System reicht auch ein großer Radiator ohne Lüfter aus, um die Komponenten zu kühlen (Passiv Kühlung).
Im Unterschied zwischen einem CPU oder Grafikkartenlüfter sind diese Lüfter größer, effektiver und leiser. In Kombination mit der großen Lamellenfläche des Radiators erreicht man so angenehme Temperaturen bei geringer Laufstärke.
Für die meisten Radiatoren werden 120mm Lüfter benötigt (diese Lüfter haben Maße von 120x120xh mm), es gibt aber auch größere / kleinere. Der Trend geht in richtung 140mm.

Wichtige Namen und Abkürzungen:

Yate Loon
Hersteller von oft verwendeten Lüftern. Günstig und leise.

Papst
Teuer, gute Leistung.


Zusammenstellung + Beispielkonfiguration

Das wichtigste ist natürlich eine gute Zusammenstellung der Komponenten.
Nicht empfehlenswert sind Wasserkühlungs Sets, denn diese sind meistens überteuert und bieten ein schlechtes Preis/Leistungs Verhältnis.
Zuerst sollte man sich überlegen, was man alles kühlen möchte. Dann muss man sich die passenden Komponenten zusammenstellen.
Eine weitere Möglichkeit sind auch die Sets vom Shop Aquatuning. Diese Sets sind nicht von einem Hersteller, sondern wurden von Aquatuning selbst aus verschiedenen Produkten zusammengestellt.
Ein gutes Einstiegsset ist beispielsweise das 360er Komplettset. Mit diesem hat man genug Reserven, um CPU und Grafikkarte zu kühlen. Allerdings nur für den Anfang.
Für die Kühlung von CPU, 2 Grafikkarten (SLI oder Crossfire) und dem Mainboard reicht dieses Set natürlich nicht, denn der Radiator kann in den meisten Fällen nicht genug Wärme abführen.


(C) Aquatuning
Dieses Set enthält alles für eine komplette Wasserkühlung

Für Leute, die wirklich genug Reserven haben oder ihr komplettes System kühlen wollen, haben wir einmal eine Beispielkonfiguration zusammengestellt.
Falls du das Set übernehmen willst, achte bitte darauf, es für deine Hardware anzupassen. Wenn du einen anderen Sockel benutzt, suche nach einer anderen Halterung. Auch die Mainboardkühler und der Grafikkartenkühler muss angepasst werden!

(anklicken zum Vergrößern)

Dieses Set erscheint vielleicht etwas überfüllt. 20 Schraubanschlüsse und 5m Schlauch haben wir gewählt, damit man immer etwas auf Reserve hat! Wenn man beim Bau bemerkt, dass der Schlauch zu kurz ist, ist es zu spät :)

Am besten ist es, wenn du einmal eine Zusammenstellung erstellst, und sie bei uns im Forum zeigst. Wir können dir dann helfen die Zusammenstellung zu verbessern und eine perfekte Wasserkühlung zu kaufen!
Wenn der Paketbote dann da war, kannst du dir den nächsten Schritt ansehen, denn jetzt erklären wir, wie man eine Wasserkühlung montiert (mit Videos!).

3) Zusammenbauen einer Wakü

Manch’ einer mag sich wahrscheinlich garnicht denken, wie man all den “Krempel” zusammenbaut, aber das ist alles halb so wild.
Wenn man nicht gerade zwei linke Hände hat, kann das ganze furchtlos angehen.
Wer sich jetzt nur fragt, wie man Wasser und Hardware kombiniert, der kann auch beruhigt sein. Sollte es einmal zu undichten Stellen oder dem Auslaufen von Wasser kommen, so braucht man keine Angst vor Schäden zu haben. Heutige Hardware ist kaum noch zerstörbar. Meist reicht ein einfaches abtrocknen oder föhnen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann seine Hardware auch in den Backofen legen (bei zirka 50°).
So schlimm sich das auch anhört: meistens geht nach einem Schock dann doch noch alles gut :-)

Zuerst einmal sollte man sich einen geigneten Ort für die Komponenten suchen. Bei der Suche sollte man beachten, dass man später die Schläuche gut verlegen kann.
Ein möglicher Beispielaufbau für die Komponenten könnte wie folgt aussehen:

(C) Aquainfos

Man sollte beachten, dass die Pumpe das Wasser direkt Ausgleichsbehälter ansaugen kann. Normalerweise ist beim Ausgleichsbehälter kein In oder Out zu beachten, außer es wird vom Hersteller explizit angegeben.
Anschließend noch eine Position für den Radiator suchen, wo auch die Lüfter keine Platzprobleme bereiten. Meistens ist Platz auf dem Deckel, der Seite oder in der Front.
Jetzt kann man schonmal anfangen die Anschlüsse in die Gewinde zu drehen.

Nun ein paar Videos zur Montage der Wasserkühlung:

Teil 1: Laing vorbereiten
In diesem Teil zeigen wir, wie man auf die Laing DDC Pumpe einen anderen Deckel montiert.

Teil 2: CPU Kühler montieren
In diesem Teil zeigen wir, wie man einen CPU Kühler (in diesem Fall der Phobya) montiert

Teil 3: Verschlauchung
In diesem Teil zeigen wir, wie man sein System verschlaucht.

Schritt 4 – Überprüfung und Befüllung

Jetzt nochmal alle Komponenten auf Dichtheit überprüfen. Anschließend den Ausgleichsbehälter füllen (ggf. Trichter zur Hilfe nehmen).
Jetzt kann man seinen Rechner anschalten, aber: die Flasche noch nicht weg packen!
Während des Startvorgangs muss man ständig Wasser nachfüllen. Solange, bis die Pumpe durch alle Komponenten gepumpt und die Luft verdrängt hat.
Wenn jetzt alles läuft und sich das Wasser im Ausgleichsbehälter bewegt, ist die Arbeit erledigt.
Anschließend sollte man das System noch entlüften, sprich die Luftblasen in den Schläuchen und in den Kühlern rausbekommen.
Dies macht man am besten, indem man den Ausgleichsbehälter und den Radiator in verschiedenen Positionen (Höhe) hin und herbewegt (drehen).

Nun solltet ihr bessere Temperaturen haben als mit einem Luftkühler, die Hardware wird euch dankbar sein.

Und, war’s schwer?



Ein Kommentar zu “Wasserkühlungs FAQ”

  1. Jakob sagt:

    Sehr gutes und informatives How – To.

Hinterlasse eine Antwort



© 2012 Aquainfos
Impressum